(Berufliche) Entscheidungen treffen – der Bauch

Mein Wasserkocher ist letztens kaputt gegangen. Neben dem Ärger darüber, dass die Geräte scheinbar zum schnellen Dahinsiechen hergestellt sind, stand ich vor der scheinbar einfachen Aufgabe, einen neuen zu besorgen.

Doch einfach ist nix mehr. Wie soll er aussehen? Wie viel soll er kosten? Und wichtiger noch: auch von einem Wasserkocher können Gesundheitsrisiken ausgehen. Soll ich mich für Plastik (Phthalateausstoß) oder Stahl (Nickelbelastung) entscheiden? Kann man das Gerät befüllt und im heißen Zustand noch bequem transportieren?

Zum Glück gibt das Internet unzählige Tests her: Klappe auf, Klappe zu, Wasserstandanzeige, Ist das Ding überhaupt an-Licht – alles wird geprüft. Und trotzdem bleibt die Frage: ist er der Richtige?

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Ich habe schon mit diversen Menschen darüber gesprochen, und wir waren uns alle einig. Wir haben auf vielen Gebieten das Privileg der Wahl, das müsste doch eigentlich was Gutes sein. Mit dieser Freiheit geht aber oft das Gefühl der Überforderung einher, denn man entscheidet sich immer für – und damit automatisch auch gegen etwas. Und da geht es auch um weit größere Dinge als Haushaltsgeräte, nehmen wir hier mal  den Beruf.

Ins berufliche Coaching kommen selten Menschen, die zu wenige Optionen haben. Die meisten sind hervorragend ausgebildet, ihnen stehen viele Möglichkeiten offen. Sie wollen wissen, in welche Richtung sie gehen sollen und verzagen angesichts der Vielzahl der Wege, die sie einschlagen können. Die Not lautet also: ich weiß nicht, was ich will. Und oft auch: ich weiß nicht, was ich kann, aber das ist ein anderes Kapitel. (Und ich kann ungesehen und ungehört versichern: jede Menge!)

Jede Veränderung ist ein Wagnis, das liegt in der Natur der Sache. Sie geht mit Unsicherheit und Wackelbeinen einher, denn man steht eine Weile lang nicht mehr auf dem vielleicht ungeliebten, aber sicheren Boden des Gewohnten. Wie trifft man aber so wichtige Entscheidungen?

„Mein Bauchgefühl sagt mir…“ ist ein umgangssprachliches kleines Ungeheuer, denn vom „Kopfgefühl“ habe ich bis jetzt noch nichts gehört. Aber (die Haarspalterei mal beiseite geschoben) es stimmt – der Bauch redet. Er vermittelt körperliche Empfindungen, die mit Gedanken, Einstellungen usw. einhergehen. Es sind die so genannten somatischen Marker, Signale, die persönliche Erfahrungen wiederspiegeln und bewerten. Und diese nutzen wir auch im beruflichen Coaching. Ausprobieren und üben kann man das, indem man sich zuerst kleinere Entscheidung vornimmt, sagen wir: Was esse ich heute oder was ziehe ich an. Überlegen Sie sich zwei Alternativen, machen die Augen zu und hören Sie auf Ihren Bauch.

Mehr zu somatischen Markern:

Antonio Damasio: Descartes’ Irrtum. Fühlen, Denken und das menschliche Gehirn.

Maja Storch: Das Geheimnis kluger Entscheidungen. Von somatischen Markern, Bauchgefühl und Überzeugungskraft.

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